ARD-Morgenmagazin

Wenn es stressig wird, rät eine alte Volksweisheit, „die Zähne zusammenzubeißen“. Ein Rat, den der Körper von sich aus in der Nacht beherzigt. Abgeschlagenheit, Kopf- und Kieferschmerzen und ein steifer Nacken sind in der Regel die Folge.

Vor allem werden häufig mögliche Auswirkungen der Psyche auf den Körper ignoriert. Grund: Während des Schlafs versucht der Körper, täglichen Stress über Knirschen, Pressen und Reiben der Zähne zu kompensieren.

Stress ist Ursache Nr. 1

Stress geht auf den Kiefer

Das moderne Leben mit Internet, Mobiltelefon und Co. erfordert ein hohes Maß an Stressresistenz. Seien es private Schicksalsschläge oder einfach die Reizüberflutung, die Psyche steht oft unter Druck. So kommt es beispielsweise durch zu starken, stressbedingten Abrieb oder durch verschobene Zähne zu einem ungünstigen Zusammenbiss. Stressmanagement bietet in diesen Fällen einen Ausweg. Yoga oder autogenes Training trägt zu einer inneren Ausgeglichenheit und damit zu einer Verringerung der körperlichen Symptome bei.

Sand im Getriebe

Als CMD, sogenannte Craniomandibuläre Dysfunktion, bezeichnen Experten eine Kiefergelenkverschiebung, die aus falscher Zahnstellung und Stress resultiert. Zum menschlichen craniomandibulären System zählen Zähne, Kiefer, Sehnen, Muskulatur, Nervenbahnen und Kiefergelenk. Gerät nur ein Bestandteil aus dem Gleichgewicht, kann das gesamte Gefüge und damit seine Funktionsfähigkeit Schaden nehmen. Bestehen beispielsweise Abweichungen in der Verzahnung, gleicht der Körper diese automatisch aus, etwa mittels einer leicht geänderten Haltung. So verlagert sich nicht nur die Neigung des Kopfes, sondern auch die gesamte Wirbelsäule, wodurch es zu Verspannungen und Schmerzen kommen kann.

Was den Kiefer aus der Bahn wirft

Häufige Auslöser von CMD im Kindesalter sind ein Fehlbiss oder auch nicht sichtbare Zahnfehlstellungen. Erfolgt keine zeitnahe Behandlung, kann die falsche Verzahnung Schieflagen des Kiefers nach sich ziehen und CMD auslösen. Aber auch im Erwachsenenalter können schlecht sitzende Füllungen, Kronen, Brücken, Implantate oder Zahnprothesen einen optimalen Aufbiss verhindern und zu den genannten Beschwerden führen. Treten dauerhafte Verspannungen oder Schmerzen an der Wirbelsäule auf und findet sich nicht gleich die Ursache, sollten Betroffene demnach eine ganzheitliche Diagnose und Therapie in Betracht ziehen und Ärzte verschiedener medizinischer Disziplinen aufsuchen.

Wechselwirkung zwischen Wirbelsäule und Zähnen

Rückenschmerzen treten heutzutage nicht nur vermehrt bei Erwachsenen, sondern auch schon in jungen Jahren auf. Verständlicherweise begeben sich Betroffene dann zunächst zu Orthopäden und Rückenspezialisten, um der Ursache auf den Grund zu gehen. Da sich die Auslöser für Probleme am Rückgrat jedoch auch vielfach anderen medizinischen Disziplinen zuordnen lassen, bringt der Besuch bei einem Wirbelsäulenspezialisten nicht immer Aufschluss darüber, von wo die Schmerzen genau kommen. Ein frühzeitiger Besuch bei einem Spezialisten kann Licht ins Dunkel bringen. Denn als eher unscheinbare, aber häufig auftretende Auslöser bei Jung und Alt gelten Zähne und Kiefer.

Individuelle Schiene

Eine Aufbissschiene gleicht Fehlstellungen aus und zentriert den Unterkiefer. Sie wird in der Nacht getragen, bringt die Kiefergelenke zurück in ihre ursprüngliche Position. Patienten merken häufig bereits nach dem ersten Einsetzen eine Linderung ihrer Beschwerden. Zu einer ganzheitlichen Behandlung gehören meist noch physiotherapeutische Maßnahmen, um die entstandenen Verspannungen besonders im Nacken- und Rückenbereich zu lockern, sowie die Erneuerung möglicherweise abgenutzten oder unzweckmäßigen Zahnersatzes.