Service: Zähneknirschen – Experte im Studio: Dr. Roland Althoff, Zahnarzt

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Wenn es stres­sig wird, rät eine alte Volks­weis­heit, “die Zähne zusam­men­zu­bei­ßen”. Ein Rat, den der Kör­per von sich aus in der Nacht beher­zigt. Abge­schla­gen­heit, Kopf– und Kie­fer­schmer­zen und ein stei­fer Nacken sind in der Regel die Folge.

Vor allem wer­den häu­fig mög­li­che Aus­wir­kun­gen der Psy­che auf den Kör­per igno­riert. Grund: Wäh­rend des Schlafs ver­sucht der Kör­per, täg­li­chen Stress über Knir­schen, Pres­sen und Rei­ben der Zähne zu kompensieren.

Stress ist Ursa­che Nr. 1

Stress geht auf den Kiefer

Das moderne Leben mit Inter­net, Mobil­te­le­fon und Co. erfor­dert ein hohes Maß an Stress­re­sis­tenz. Seien es pri­vate Schick­sals­schläge oder ein­fach die Reiz­über­flu­tung, die Psy­che steht oft unter Druck. So kommt es bei­spiels­weise durch zu star­ken, stress­be­ding­ten Abrieb oder durch ver­scho­bene Zähne zu einem ungüns­ti­gen Zusam­men­biss. Stress­ma­nage­ment bie­tet in die­sen Fäl­len einen Aus­weg. Yoga oder auto­ge­nes Trai­ning trägt zu einer inne­ren Aus­ge­gli­chen­heit und damit zu einer Ver­rin­ge­rung der kör­per­li­chen Sym­ptome bei.

Sand im Getriebe

Als CMD, soge­nannte Cra­nio­man­di­bu­läre Dys­funk­tion, bezeich­nen Exper­ten eine Kie­fer­ge­lenk­ver­schie­bung, die aus fal­scher Zahn­stel­lung und Stress resul­tiert. Zum mensch­li­chen cra­nio­man­di­bu­lä­ren Sys­tem zäh­len Zähne, Kie­fer, Seh­nen, Mus­ku­la­tur, Ner­ven­bah­nen und Kie­fer­ge­lenk. Gerät nur ein Bestand­teil aus dem Gleich­ge­wicht, kann das gesamte Gefüge und damit seine Funk­ti­ons­fä­hig­keit Scha­den neh­men. Beste­hen bei­spiels­weise Abwei­chun­gen in der Ver­zah­nung, gleicht der Kör­per diese auto­ma­tisch aus, etwa mit­tels einer leicht geän­der­ten Hal­tung. So ver­la­gert sich nicht nur die Nei­gung des Kop­fes, son­dern auch die gesamte Wir­bel­säule, wodurch es zu Ver­span­nun­gen und Schmer­zen kom­men kann.

Was den Kie­fer aus der Bahn wirft

Häu­fige Aus­lö­ser von CMD im Kin­des­al­ter sind ein Fehl­biss oder auch nicht sicht­bare Zahn­fehl­stel­lun­gen. Erfolgt keine zeit­nahe Behand­lung, kann die fal­sche Ver­zah­nung Schief­la­gen des Kie­fers nach sich zie­hen und CMD aus­lö­sen. Aber auch im Erwach­se­nen­al­ter kön­nen schlecht sit­zende Fül­lun­gen, Kro­nen, Brü­cken, Implan­tate oder Zahn­pro­the­sen einen opti­ma­len Auf­biss ver­hin­dern und zu den genann­ten Beschwer­den füh­ren. Tre­ten dau­er­hafte Ver­span­nun­gen oder Schmer­zen an der Wir­bel­säule auf und fin­det sich nicht gleich die Ursa­che, soll­ten Betrof­fene dem­nach eine ganz­heit­li­che Dia­gnose und The­ra­pie in Betracht zie­hen und Ärzte ver­schie­de­ner medi­zi­ni­scher Dis­zi­pli­nen aufsuchen.

Wech­sel­wir­kung zwi­schen Wir­bel­säule und Zähnen

Rücken­schmer­zen tre­ten heut­zu­tage nicht nur ver­mehrt bei Erwach­se­nen, son­dern auch schon in jun­gen Jah­ren auf. Ver­ständ­li­cher­weise bege­ben sich Betrof­fene dann zunächst zu Ortho­pä­den und Rücken­spe­zia­lis­ten, um der Ursa­che auf den Grund zu gehen. Da sich die Aus­lö­ser für Pro­bleme am Rück­grat jedoch auch viel­fach ande­ren medi­zi­ni­schen Dis­zi­pli­nen zuord­nen las­sen, bringt der Besuch bei einem Wir­bel­säu­len­spe­zia­lis­ten nicht immer Auf­schluss dar­über, von wo die Schmer­zen genau kom­men. Ein früh­zei­ti­ger Besuch bei einem Spe­zia­lis­ten kann Licht ins Dun­kel brin­gen. Denn als eher unschein­bare, aber häu­fig auf­tre­tende Aus­lö­ser bei Jung und Alt gel­ten Zähne und Kiefer.

Indi­vi­du­elle Schiene

Eine Auf­biss­schiene gleicht Fehl­stel­lun­gen aus und zen­triert den Unter­kie­fer. Sie wird in der Nacht getra­gen, bringt die Kie­fer­ge­lenke zurück in ihre ursprüng­li­che Posi­tion. Pati­en­ten mer­ken häu­fig bereits nach dem ers­ten Ein­set­zen eine Lin­de­rung ihrer Beschwer­den. Zu einer ganz­heit­li­chen Behand­lung gehö­ren meist noch phy­sio­the­ra­peu­ti­sche Maß­nah­men, um die ent­stan­de­nen Ver­span­nun­gen beson­ders im Nacken– und Rücken­be­reich zu lockern, sowie die Erneue­rung mög­li­cher­weise abge­nutz­ten oder unzweck­mä­ßi­gen Zahnersatzes.